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Einfach freundlich von Mensch zu Mensch die Hand reichen – „Die Zauberhaften“ überreichen über 180 selbstgenähte Herzkissen für Brustkrebspatientinnen und Patienten der Palliativstation in der EUREGIO-KLINIK

„Eines Tages, im Frühjahr 2013, kam meine Freundin zu mir und berichtete von einem Zeitungsartikel in den Grafschafter Nachrichten, der sich mit sogenannten Herzkissen beschäftigte. Diese Idee hatte sie sehr berührt“, so Simone Stonjek – Lehrerin für Pflegeberufe an der Bildungsstätte für Gesundheitsberufe der EUREGIO-KLINIK, und fährt mit einem Lächeln fort: „So fing alles an. Durch meinen beruflichen Kontext kamen wir auf die Wichtigkeit mitmenschlichen Verhaltens in der heutigen Gesellschaft zu sprechen. Aus der Unterhaltung entwickelte sich die Idee, etwas Sinnvolles ganz praktisch umzusetzen. Ein Gespräch mit zwei Stationsleitungen, die unmittelbar von solch einer Aktion profitieren könnten, ergab Bedarf für konkretes Handeln. Also wurden unsere weiteren vier Freundinnen bei einer Zusammenkunft informiert und sukzessive wurden die Pläne geschmiedet.“

So wurden Stoffe gekauft, Stoffbestände überprüft, einige Stoffe wurden auch von hilfsbereiten Menschen für diesen Zweck gespendet. Füllmaterial wurde eingekauft, Schnittmuster und Nähanleitungen studiert. Die regelmäßigen Treffen, die ansonsten in öffentlichen Gaststätten stattfanden, wurden kurzerhand zu einer der Frauen nach Hause verlegt. Sie hatte schon vor der ersten Zusammenkunft begeistert Kissen zugeschnitten, die Nähte versäubert und vorgenäht. Dann ging es ans Stopfen der unterschiedlichen Kissen mit klaren Füllvorgaben. Anschließend wurden die Kissen von Hand verschlossen.

„Immer wieder mussten wir Nachschub zum Füllen der Herzkissen besorgen“, erinnert sich Stonjek: „Im „blau-gelben Möbelhaus“ guckten uns die Kunden und Verkäufer irritiert an, wenn wir Dutzende Kopfkissen durch die Gänge schoben. Es sah schon fast so aus, als wollten wir ein Hotel ausstatten.“

Im Laufe eines guten halben Jahres wuchs der Kissenberg auf über 180 Exemplare an, bevölkerte weite Areale der Wohnung in aufgetrennten Kissenhüllen. Simone Stonjek glaubt, dass die Familie schon in ihrem Bewegungsraum eingeschränkt war. Diese Herzkissen wurden jetzt am 11.12.2013 an die EUREGIO-KLINIK übergeben.

Mit einem Glänzen in den Augen zeigt Stonjek auf einem der Fotos: „Es machte jedes Mal Freude, gemeinsam etwas Sinnvolles und Gutes zu tun. Man kann es auf den Fotos sehen.“

Dieses gute Gefühl kannte die Gruppe schon aus der Zeit, als die Kinder noch zur Grundschule gingen und verzweifelt Mütter gesucht wurden, die eine komplette Schüttorfer Schule mit Kostümen, Perücken und Bühnenbild ausstatten sollten, damit alle Kinder der Klassen mitspielen konnten. „Und ja, wir haben das geschafft! Das Musical hatte den Namen: „Die Zauberharfe“ und davon abgeleitet haben wir den Namen „Die Zauberhaften“ für unsere kreative und zupackende Gruppe“, ist Stonjek immer noch fasziniert von der tollen Idee.

Zur Gruppe gehören: Elske Pott-Reisgies (Modedesignerin, Entwurf- und Schnittdirectrice), Helga Passgang (Familienmanagerin und ehrenamtliches Multitalent), Anja Talle (kaufm. Angestellte beim Sanitärgroßhandel Lammering), Annette Hamerlik (Familienmanagerin, die dem Bürgermeister in Schüttorf „den Rücken frei hält“), Sandra Groon (Steuerfachangestellte, in der Buchhaltung des Diakonischen Werkes) und Simone Stonjek (Lehrerin für Pflegeberufe an der Bildungsstätte für Gesundheitsberufe der der EUREGIO-KLINIK).

Was ist die Idee des „Heart Pillow Projects“? „Dieses Herzkissen wurde ursprünglich in den USA entworfen und ist 2006 durch eine amerikanische Krankenschwester, Nancy Friis-Jensen, nach Dänemark gekommen. Von dort aus hat sich diese Idee in weiten Teilen Europas verbreitet“, erläutert Elske Pott-Reisgies. „Das Ziel dieses Projektes ist es, jeder Brustkrebspatientin ein „Heart Pillow“ zu schenken, um den Schmerz nach einer Operation zu lindern und ein bisschen Freude zu bringen“, ergänzt Helga Passgang und beschreibt ein vor ihr liegendes frisch genähtes Exemplar und die Funktionsweise: „Das Kissen hat die Form eines Herzens mit „verlängerten Ohren“, wird unter dem Arm getragen und gibt Schutz vor unangenehmen Druck, der bedingt durch die Operationsnarbe oder durch Schwellungen im Lymphsystem, oder auch beim Husten oder plötzlichen anderen Bewegungen auftreten kann.“

Anja Talle nennt einige Anforderungen, die die Kissen erfüllen müssen: „Die Kissenhülle und -füllung muss waschbar sein und es muss genau mit 170g des Füllmateriales straff gestopft sein. Ferner wird das Schnittmuster auf den „Heart Pillow“-Seiten des Internets abgebildet, damit die qualitativen Anforderungen erfüllt werden.“

Besonders wichtig findet die Gruppe der engagierten Damen den Zweck der Kissen. Annette Hamerlik fasst es zusammen: „Die Herzkissen sollen auch ganzheitlich wirken, d. h. nicht nur die körperlichen Beschwerden lindern, sondern auch Trost und Kraft spenden in einer schweren Zeit des Lebens. Die Herzkissen signalisieren allen leidenden Patienten: „Du bist nicht allein, eine andere Frau denkt an Dich und möchte Dir gerade jetzt etwas Gutes tun.“ Die Kissen werden immer kostenlos abgegeben! Sie sind ein Geschenk, ein Symbol für Herzlichkeit und Menschlichkeit, für Hoffnung und Zuversicht! 

Die Stationsleitung der gynäkologischen Station 30 der EUREGIO-KLINIK, die examinierte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Fenna Temme, bringt ihre langjährige Berufserfahrung und Menschenkenntnis mit ein und schaut vor der Abgabe auch genau, welches Kissen zu welcher Frau passen könnte und wählt dieses individuell aus. „Wir sind alle sehr dankbar für das ehrenamtliche Engagement vieler fleißiger Helferinnen aus nah und fern bei der liebevollen Herstellung der qualitativ hochwertigen Herzkissen für unsere Patientinnen“, so Fenna Temme und fährt fort: „Ausdrücklich erwähnen möchte ich aus der Region auch Vera Schwede aus Lingen, die seit Jahren für uns aktiv ist, Anni Haverland aus Nordhorn und Jantine Holtvlüwer aus Hoogstede, die sich seit etwa einem Jahr engagieren.“

Ferner gibt es auch Portkissen, die kleiner ausfallen, als die Herzkissen. Auch hier sollen die Stoffmuster eher freundlich und angenehm auf die Menschen wirken. Diese kleinere Kissenvariante hat ebenfalls die Form eines Herzens, steht auch für die warmherzige Geste und ist für Menschen gedacht, die mit einem Portsystem versorgt worden sind. Erklärung: unter einem Portsystem, kurz Port, ist ein meist ins Unterhautfettgewebe eingebrachtes Kathetersystem zu verstehen, das von außen (durch die Haut) punktiert werden kann und einen langfristigen Zugang zum arteriellen oder venösen Gefäßsystem oder zu bestimmten Körperhöhlen bietet.

Am häufigsten werden Portsysteme als Zentraler Venenkatheter, kurz ZVK, verwendet, der kurz vor dem Herzen mündet. Über diese Stelle werden z. B. mit speziellen Kanülen und unter besonders hohen hygienischen Ansprüchen Infusionen mit Chemotherapeutika verabreicht. Man kann diese erhabene Stelle genau betrachten, denn dieses Reservoir liegt direkt unter der Haut. Das bedeutet, wenn ein Sicherheitsgurt darüber verläuft, kann es schneller zu Schmerzen und Irritationen kommen. Hier kann ein Kissenpolster auch hilfreich sein.

Die Lagerungskissen für die Palliativstation (Station 31) der EUREGIO-KLINIK, werden von der Stationsleitung, der Gesundheits- und Krankenpflegerin Silvia Lammering für die PatientInnen entgegen genommen, die abschiedlich leben. Hier gelten ganz andere Pflegeziele, als bei PatientInnen, die den Leistungserhalt und - Genesungsprozess vor Augen haben. Das Wohlbefinden, Schmerzfreiheit, das Erfüllen von den (meist sehr bescheidenen) Bedürfnissen und die Zuwendung zu den Menschen haben absoluten Vorrang! Deshalb ist diese Station auch anders gestaltet, als z. B. die akut-medizinischen Bereiche des Krankenhauses. Die Palliativpflege wird auch maßgeblich von der Hospizhilfe unterstützt. 

Die private Initiative der sechs Frauen zielt ebenfalls darauf ab, größtmögliches Wohlbefinden zu ermöglichen, z. B. wenn man auf einem bequemen Lagerungskissen liegt, das warm und weich ist und mit freundlichen Stoffmustern auch eine kleine Freude in dieser Lebensphase vermitteln soll. „Für Zuwendung stehen auch die kleinen Handkissen, die die Hand wärmen und auch symbolisieren, dass die Betroffenen nicht vergessen werden“, so Sandra Groon.

„Vielleicht fühlen sich auch andere Menschen angesprochen, etwas Gutes und Sinnvolles zu tun“, schmiedet Simone Stonjek schon weitere Pläne und nennt ein ganz konkretes Beispiel: „Es gibt bestimmt Bedarf für sogenannte Nesteldecken, die dementiell-erkrankten Menschen bei Unruhe Beschäftigungsmöglichkeiten bieten könnten. Hier könnte man ja Kontakt mit entsprechenden Stationsleitungen aufnehmen, es gibt bestimmt viele Möglichkeiten. Einfach freundlich von Mensch zu Mensch die Hand reichen.“

Für Fragen steht Simone Stonjek, Bildungsstätte für Gesundheitsberufe, gern zur Seite. Tel. +49 (0) 59 21-171-51 03 oder simone.stonjek@euregio-klinik.de

veröffentlicht am: 11. Dezember 2013

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