EUREGIO-KLINIK baut Neuroradiologie auf und schließt Versorgungslücke bei Schlaganfällen

Landkreis Grafschaft Bentheim stellt 2,3 Millionen Euro bereit

Die EUREGIO-KLINIK stellt die Schlaganfallversorgung in der Grafschaft Bentheim zukunftssicher auf: Dank der finanziellen Unterstützung des Landkreises Grafschaft Bentheim in Höhe von 2,3 Millionen Euro entsteht innerhalb der von Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med.  Michael Püsken geführten Klinik für Radiologie eine eigene Sektion für Neuroradiologie. Ab Ende des ersten Quartals 2027 sollen dort Thrombektomien durchgeführt werden – ein hochspezialisierter Eingriff zur Behandlung von Schlaganfallpatienten mit Verschlüssen großer Hirngefäße. Bislang mussten diese Patienten in spezialisierte Zentren außerhalb der Grafschaft verlegt werden. Insgesamt beläuft sich die Investition auf rund 4,5 Millionen Euro. Die verbleibende Summe wird durch Eigenmittel der EUREGIO-KLINIK aufgebracht. Zudem wurde eine Förderung der Investition durch das Land Niedersachsen beantragt.

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„Mit der Neuroradiologie investieren wir gezielt in die Zukunft der medizinischen Versorgung in unserer Region und schließen damit eine große Versorgungslücke. Für Schlaganfallpatienten bedeutet das, kürzere Wege, schnellere Behandlungen und bessere Chancen auf ein Leben ohne schwerwiegende Einschränkungen. Dass der Landkreis dieses Projekt finanziell unterstützt, ist ein starkes Signal für die Gesundheitsversorgung in der Grafschaft Bentheim, welches wir sehr zu schätzen wissen“, sagt Michael Kamp, Geschäftsführer der EUREGIO-KLINIK.

Time is brain – Beim Schlaganfall zählt jede Minute

„Time is brain“ – dieser Grundsatz beschreibt die Dringlichkeit der Schlaganfallversorgung. „Mit jeder Minute, in der ein Hirngefäß verschlossen bleibt, sterben rund 1,9 Millionen Nervenzellen ab (Zum Vergleich: Ein Erwachsener hat etwa 86 Milliarden Nervenzellen). Gerade bei großen Gefäßverschlüssen entscheidet deshalb die Zeit maßgeblich über die Heilungschancen und mögliche Folgeschäden“, verdeutlicht Chefarzt der Klinik für Neurologie Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Probst die Bedeutung einer regionalen Schlaganfallversorgung.

Bereits heute beginnt die Akutdiagnostik für Schlaganfallpatienten in der EUREGIO-KLINIK unmittelbar nach der Einlieferung. Viele Betroffene können vor Ort bereits mit einer medikamentösen Lysetherapie behandelt werden. Bei Verschlüssen größerer Hirngefäße war bislang jedoch eine Verlegung in spezialisierte Kliniken des Neurovaskulären Netzwerkes – beispielsweise nach Meppen, Ibbenbüren oder Münster – notwendig. Trotz der engen Zusammenarbeit geht dadurch wertvolle Zeit verloren.

„Seit 2015 wissen wir aus großen internationalen Studien, dass die Thrombektomie bei Verschlüssen großer Hirngefäße der alleinigen Lysetherapie deutlich überlegen ist. Jeder Zeitverlust verschlechtert die Prognose der Betroffenen. Künftig können wir die gesamte Akutversorgung – von der Diagnose im CT bis zum Eingriff – unter einem Dach anbieten. Das spart wertvolle Minuten und verbessert die Behandlungschancen unserer Patienten erheblich“, erklärt Probst.

Diagnose und Therapie unter einem Dach

Mit der neuen Sektion für Neuroradiologie können künftig Schlaganfallpatienten vollumfänglich in der EUREGIO-KLINIK versorgt werden. Nach dem Eintreffen der Patienten, welches üblicherweise mit dem Rettungsdienst erfolgt, erfolgt die Diagnostik per Computertomografie, anschließend kann – sofern erforderlich – unmittelbar sowohl räumlich als auch zeitlich die Thrombektomie durchgeführt werden. Dabei wird über einen Katheter, der in der Regel über die Leiste oder den Arm eingeführt wird, das verschlossene Hirngefäß erreicht und mit speziellen Kathetern und Stents wieder eröffnet. Je nach Befund dauert der Eingriff zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden und erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Anästhesie.

Auch nach dem Eingriff profitieren die Betroffenen von den kurzen Wegen innerhalb der EUREGIO-KLINIK. Im Anschluss an die Thrombektomie werden sie direkt auf der, seit vielen Jahren, zertifizierten Stroke-Unit weiterbehandelt. Dort schließen sich die Ursachenforschung sowie die individuell erforderlichen Therapien – etwa Logopädie, Ergotherapie oder Physiotherapie – unmittelbar an. Gleichzeitig wird frühzeitig die passende Rehabilitation eingeleitet.

„Mit dem Aufbau der Neuroradiologie schließen wir eine wichtige Versorgungslücke in der Region und reagieren damit gleichzeitig auf die steigende Zahl von Schlaganfallpatienten“, betont Mouhammed Korkin Omar, Facharzt für Radiologie und Neuroradiologie und zukünftiger Leiter der neuen Sektion für Neuroradiologie. Durch die älter werdende Bevölkerung und zunehmende Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes wird in der Krankenhauslandschaft mit weiter steigenden Fallzahlen gerechnet. „Bereits heute kommt durchschnittlich mindestens ein Patient pro Woche für eine Thrombektomie infrage. Zudem versorgt die EUREGIO-KLINIK ein großes Einzugsgebiet, das über die Grafschaft Bentheim hinausreicht“, so Omar weiter.

Förderung durch den Landkreis Grafschaft Bentheim

Landrat Uwe Fietzek begrüßt die Investition ausdrücklich: „Mit der Einrichtung der Neuroradiologie wird die Akutversorgung am Klinikstandort um einen wichtigen und hochspezialisierten Bereich erweitert. Für die medizinische Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger ist das ein großer Gewinn. Wenn Schlaganfallpatientinnen und -patienten künftig direkt hier vor Ort behandelt werden können, kann das im Ernstfall entscheidend für ihren weiteren Lebensweg sein.“ Er verweist darauf, dass der Grafschafter Kreistag sich trotz angespannter Haushaltslage einstimmig dafür ausgesprochen hat, den Ausbau der Schlaganfallversorgung mit Mitteln in Höhe von 2,3 Millionen Euro zu unterstützen. Die umfangreiche Förderung unterstreiche die besondere Bedeutung des Projektes und den Stellenwert der EUREGIO-KLINIK. „Als Landkreis tragen wir Verantwortung dafür, dass die Gesundheitsversorgung in unserer Region als Teil der Daseinsvorsorge auch langfristig leistungsfähig und auf einem hohen Niveau bleibt. Ich bin überzeugt davon, dass diese Maßnahme den Gesundheitsstandort Grafschaft Bentheim nachhaltig stärken wird“, so Fietzek.

Schlaganfallversorgung seit 2011 am Standort

Die neurologische Abteilung der EUREGIO-KLINIK besteht bereits seit 2011 und ist seit 2015 kontinuierlich nach Vorgaben der Deutschen Schlaganfallgesellschaft als regionale Stroke-Unit (re-)zertifiziert worden. Mit der neuen Sektion wird die Schlaganfallversorgung nun entscheidend erweitert. Die erforderliche Expertise wird dabei aus den eigenen Reihen aufgebaut: So war Herr Omar bereits als Oberarzt in der EUREGIO-KLINIK tätig, bevor er die Weiterbildung zum Facharzt für Neuroradiologie absolviert hat. Hierzu war er unter anderem im Alfried-Krupp-Krankenhaus Essen tätig, welches zu den führenden Zentren für Neuroradiologie in ganz Deutschland gehört.

Für die Umsetzung des Projekts werden die Räumlichkeiten der stationären Radiologie erweitert. Herzstück der neuen Einheit ist ein hochmoderner Eingriffsraum mit Angiografie-System, das speziell für Eingriffe an den Hirngefäßen ausgelegt ist. Der Eingriffsraum befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Notaufnahme und zur Computertomografie. Für Patienten der Radiologie ergeben sich durch die Baumaßnahmen keine Einschränkungen im regulären Untersuchungsbetrieb.

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